10.10.2010Heidelberg (Lü). Unentschieden. Im Fußball ganz normal, beim Turnen eine Rarität. Der TuS Leopoldshöhe hat dafür gesorgt. Beim Bundesliga-Absteiger KTG Heidelberg holte die Mannschaft von Trainer Jens Fischer am Samstag ein 28:28, festigte damit den zweiten Tabellenplatz in der 2. Bundesliga-Nord und betrieb wieder einmal Werbung für den Turnsport.
„Das war ein Turnkrimi, wie man ihn nicht alle Tage erlebt.“ Teamchef Friedrich-Wilhelm Nagel musste die Erlebnisse erst einmal verarbeiten. „Ohne unseren Spitzenturner Ruslan Pantelemonov hatten wir uns beim Top-Favoriten auf die Meisterschaft nur geringe Chancen ausgerechnet. Wenn Du dann auf einmal führst, willst Du auch gewinnen. Letztendlich ist das Unentschieden aber ein Ergebnis, der dem Wettkampfverlauf gerecht wird und mit dem wir gut leben können.“
In der Tat hält sich der TuS damit alle Chancen offen, sogar auf die Meisterschaft. Ein Ziel, über das in Leopoldshöhe aber keiner spricht. „Wir sind Zweiter und die Saison ist jung. Da kann noch viel passieren. Zunächst einmal sind wir stolz, dass wir den Zuschauern wieder einmal großen Sport geboten haben“, meinte Geschäftsführer Jörg Klein-Günnewyck.
Großer Sport, der sich mit wenigen Fakten darstellen lässt. Eine junge, neu formierte Leopoldshöher Mannschaft tritt auswärts gegen bundesligaerfahrene Spitzenturnern an. Der Respekt ist groß. Am Boden die erste Klatsche 0:9. Hängende Köpfe. Ausgerechnet am Seitpferd ein Achtungserfolg. 11:3. Heidelberg führt aber weiter. Dann die Ringe, am letzten Wochenende der Schwachpunkt. 3:3. Heidelberg führt zur Halbzeit 15:14. Alles offen. Knisternde Spannung. Sprung klappt gut. 4:1. Leopoldshöhe geht mit 18:16 in Führung, die Stimmung kippt. In der Halle wird es still. Barren. 5:4 für Leopoldshöhe. Euphorie bei den Lippern. „Hier geht was.“ Es steht 23:20 für die Gäste. Noch vier Übungen. Leopoldshöhe legt vor und verliert zwei Duelle haushoch. Die Halle tobt. Heidelberg überholt, geht 28:23 in Führung. Eigentlich die Vorentscheidung. Dann zeigen Marc Krause und Ivan Sommer Nervenstärke und schaffen noch den Ausgleich.
„So einen Schlussspurt habe ich auch noch nicht erlebt“, Trainer Jens Fischer ist begeistert. „Das wir das am Ende noch egalisieren, hätte ich nie gedacht.“ Seine Taktik und Wettkampferfahrung waren wieder einmal meisterlich und mitentscheidend. Jeder normale Trainer setzt am Reck den stärksten Turner zum Schluss ein. Jens Fischer spielt seinen besten Trumpf vorher und damit im entscheidenden Moment. „Dadurch sind wir wieder heran gekommen und Ivan Sommer hatte einen psychologischen Vorteil.“ Der turnt prompt die sauberste Übung und sorgt für die Punkteteilung.
Arbeit gibt´s aber auch noch jede Menge. „Wir müssen am Boden sauberer turnen“, so der Trainer. Siebeneinhalb Punkte Abzug in vier Übungen. Das geht gar nicht.“ Ein Tribut an die junge Saison? Viel Lob gab es für die Neuzugänge. „Ralf Ensberger turnt super schwere Übungen, besonders am Boden, an den Ringen und am Sprung. Damit hat er die stärksten Heidelberger weitgehend neutralisiert. Wir heben immer die Top-Scorer auf´s Schild, das hier ist mir aber genauso wichtig. Marc Krause war heute der Abstauber. Er hat die Heidelberger an den Ringen und am Reck zur Verzweiflung getrieben.
Nach dem Rückzug des Kieler TK ist am kommenden Wochenende kein Wettkampf. Am 23.10.10 um 15 Uhr steigt dann der nächste Höhepunkt im Wettkampfkalender. Erzrivale und Tabellenführer Siegerländer KV kommt nach Leopoldshöhe.